Flight Safety App – ein digitaler Begleiter für die Swiss Air Force

Die Flight Safety App ist ein Kommunikationstool, über welches verschiedene Anspruchsgruppen der Swiss Air Force zeitverzugslos mit flugsicherheitsrelevanten Informationen versorgt werden können.

Apps with love hat in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für elektronische Medien (ZEM) des Bundes und der Sparte Flugsicherheit der Schweizer Luftwaffe die Flight Safety App für iPhones, iPads und Android Smartphones entwickelt. Dazu gehörte auch die Entwicklung eines komplexen Backends und CMS Systems.

Die Ausgangslage

Bereits jetzt werden nichtvertrauliche Informationen in sehr verschiedenen Kanälen und Medienarten der Öffentlichkeit, aber auch den Swiss Air Force Crews zugänglich gemacht. Was es jedoch nicht gab, ist ein einziges Tool, welches alle sicherheitsrelevanten Informationen und Neuigkeiten ohne Zeitverlust und sehr effektiv den entsprechenden Zielgruppen zur Verfügung stellt.

Heutzutage sind Piloten und Bodenmitarbeitende einer riesigen Informationsflut ausgesetzt, was dazu führt, dass flugsicherheitsrelevante Informationen rasch verloren, oder schlicht übersehen werden. Hauptziel war es daher, einen effizienten Kommunikationskanal für alle relevanten Informationen zu schaffen.

Die Zielgruppen und Rollen

Die Anspruchsgruppe „Öffentlichkeit“ ist verhältnismäßig einfach zu bedienen, da diese Zielgruppe nicht weiter unterteilt wird in z.B. Medienschaffende oder Aviatiker. Wenn öffentliche Informationen zu anstehenden Luftraumsperrungen, anstehenden markanten Veränderungen einer Luftraumstruktur oder eine Awareness Kampagne zu Aviatik publiziert werden, sind diese Informationen für die breite Öffentlichkeit interessant und zugänglich.

Etwas komplizierter wird es, wenn die Anspruchsgruppe der „Air- und Groundcrews“ der Schweizer Luftwaffe gezielt und spezifisch mit flugsicherheitsrelevanten Informationen versorgt werden soll, um keine Informationsflut zu generieren. Es soll möglich sein, Personengruppen zu erstellen, damit diese individuell adressiert werden können. Damit diese zwei Hauptzielgruppen und Subgruppen ohne viel Aufwand nur diese Informationen erhalten, welche für sie bestimmt sind, wurde die App bewusst zweigeteilt in eine „Public Version“ und eine „Restricted Version“. Die „Public Version“ kann im App Store weltweit durch die Öffentlichkeit geladen und genutzt werden. Auch ohne Registrierung sind sofort „alle“ Infos von allgemeinem Interesse abrufbar.

Für die „Restricted Version“ hingegen sollte die Voraussetzung geschaffen werden, dass die Mitarbeitenden in einem CMS ganz spezifisch erfasst und in Personen- und Fachgruppen (z.B. „Aircrew“ oder „Groundcrew“) eingeteilt werden können. Technisch herausfordernd war es, das System von sehr vielen verschiedenen Rollen, Berechtigungen und Privilegien möglichst offen und einfach editierbar zu gestalten.

Tagging und Rollenzuweisungen

Die Rollen bestimmen, WER im CMS und/oder der App etwas tun darf. WAS eine Rolle tun kann, wird mittels Privilegien zugewiesen. Einer Rolle können zwischen 1 - 30 Privilegien zugewiesen werden. So ist es möglich, Rollen zu definieren - vom Systemadministrator (User einladen, mutieren, Inhalte bereitstellen, etc.) bis zum einfachen App User - mit allen denkbaren Stufen dazwischen.

Flight Safety App CMS

Durch das Tagging von Inhalten wird definiert, WELCHE Inhalte für WEN sichtbar sind. Zum Beispiel wird bei einer News das Tag “Public” vergeben, wenn die News für die “Öffentlichkeit” bestimmt ist. Wird das Tag “Aircrew” vergeben ist die entsprechende News “nur” für einen registrierten Nutzer zu lesen, welcher den Tag “Aircrew” in seinem Nutzerprofil hinterlegt hat.

Screenshot des Flight Safety App CMS

 

 

 

 

Die Definition und Umsetzung der Rollen, Privilegien und Tags war eine grosse technische und intellektuelle Herausforderung für das gesamte Projektteam.

Der Registrierungsprozess

Es war wichtig, dass aus der „Public Version“ der App weder eine Registrierungsanfrage noch ein Registrierungsprozess abgerufen werden konnte. Wäre dies vorhanden, würde das Backoffice der Sparte Flugsicherheit wohl innerhalb weniger Tagen mit Anfragen für Registrierungen aus der ganzen Welt eingedeckt!

Mittels Emails, welche aus dem CMS ausgelöst werden, können die User eingeladen werden, sich zu registrieren. Wenn ein User die Email auf seinem Smartphone öffnet und auf den Aktivierungslink klickt, kommt er auf einen neuen “Login-Screen”, auf welchem ein Passwort definiert werden muss. Mit diesem Password kann dieser User dann solange auf die für ihn “getaggten” Infos zugreifen, bis der Account abläuft.

Jeder Account wurde mit einer „Ablauffrist“ belegt. Dadurch ist sichergestellt, dass keine Benutzer im System sind, die eigentlich schon längst pensioniert oder sonst nicht mehr zugriffsberechtigt sind. Die User werden vor dem Ablauf der Zugriffsberechtigung gewarnt, worauf sie aus der App heraus eine Verlängerung beantragen können.

App Navigation und Funktionen

Die App sieht in der „Public“ als auch in der „Restricted Version" fast identisch aus. Durch die Tab Bar Navigation konnte den verschiedenen Ansprüchen auf die Inhalte und Funktionen begegnet werden.

Flight Safety App Tabbar Navigation der restricted Version 

In der „Restricted Version“ wird die Tab Bar um einen Tab „Share Experience“ ergänzt. Darin finden eingeladene User Einträge von flugsicherheitsrelevanten Beobachtungen oder Erlebnissen, die Kollegen und Mitarbeitende gemacht haben.

News, Share Experiences und Safety Publications sind danke der Tab-Bar jederzeit leicht zu finden und schnell zugänglich. Die etwas weniger zentralen Features der App können über das “Burger”-Tab angesteuert werden.

Herausforderungen

Eine grosse Herausforderung war die Anbindung der App an einen WebDAV (Web Distributed Authoring and Versioning), über welchen wichtige flugsicherheitsrelevante Informationen jederzeit spezifisch bezeichneten und eingeladenen Usern zugänglich gemacht werden können. Die Unterscheidung von Schreib- und Leserechten, welche mit Hilfe der zu Beginn erläuterten TAGS gelöst wurden, war hochkomplex, aber bringt exakt die gewünschte Flexibilität für die Sparte Flugsicherheit.

Ein wichtiges Learning für uns ist sicherlich, dass gerade komplexe Features noch genauer spezifiziert werden müssen und allenfalls auch mit “Preis- oder Risiko-Ranges” gearbeitet werden muss.

Vier wichtige Erkenntnisse

  1. “The art of tagging, Roles and Privileges”: Das Zuweisen der Rollen, Privilegien und Tags war eine grosse intellektuelle und technische Herausforderung. Der frühe und intensive Austausch und die damit investierte Zeit kamen dem Projekt am Ende zu Gute.
  2. Die Renaissance der Tab Bar Navigation. Wir sind der Meinung, dass man nicht zu viele Funktionen und Inhalte in eine App stecken sollte, sondern sich auf wenige aber die richtigen Mehrwerte für den User fokussiert. Die Tabbar ist oft eine nutzerfreundlichere Alternative zum Sidebarmenü, welcher man (wieder) mehr Beachtung schenken sollte. 
  3. Unterschätze den WebDAV nicht und versuche, gerade komplexe Anbindungen mit mehr Risiko oder “Ranges” zu schätzen.
  4. Entwickeln in enger Zusammenarbeit mit dem “Heavy User” der App macht Spass, ist sinnvoll und führt zu einem echten Mehrwert für die Zielgruppe!
Die Art und Weise der Zusammenarbeit und die Projektkommunikation mit Apps with love hat mich am meisten beeindruckt. Es wurden stets die richtigen Kommunikationsmittel und Methoden gewählt, um der nötigen Agilität und Komplexität im Projekt gerecht zu werden. Dies war aus meiner Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für dieses Projekt.
— Christian S. – Militärpilot und Flugsicherheitspezialist

Öffentliche Version der Flight Safety App

Comment