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Bay of Fires Tasmanien
Freitag, 06. Juli 2018 / Gepostet von Michael Schranz

Als Remote Worker in Australien und Südostasien

Im ersten der zwei Reiseblogbeiträge erzählte ich von unseren Abenteuern in Südamerika und den Möglichkeiten und Herausforderungen dieses „Remote Working & Travel“ Jahres im Allgemeinen. In diesem zweiten Blog zum Thema berichte ich von unseren Erlebnissen in Australien und Asien und gebe ein paar Insights zu diesen Märkten in Bezug auf die Smartphone- und App-Nutzung weiter. Zum Schluss teile ich meine Erfahrungen mit Travel-Apps mit Euch.

Die Reise von Australien nach Südostasien

Nachdem wir Südamerika von Santiago de Chile in Richtung Australien verliessen, waren wir ziemlich unsicher, was uns erwarten wird und wie wir uns auf die neue Kultur einstellen würden. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen haben wir die rund zwei Monate in Australien quasi im Zelt verbracht: Zuerst in drei Wochen mit einem Camper durch Tasmanien und dann in vier Wochen wieder mit einem Camper der Ostküste entlang von Sydney bis nach Brisbane. Am eindrücklichsten war für uns die Nähe zu den für uns so exotischen Tieren wie Kängurus, Wombats, Possums, u.v.m., welche wir vor allem in Tasmanien hautnah erleben durften. Natürlich waren auch die coolen Wellen an der Ostküste Australiens für’s Bodyboarden und Surfen genial. Nebst den unzähligen wunderschönen Nationalparks in Tasmanien war auch die Natur rund um die Blue Mountains unweit von Sydney sehr eindrücklich. Was mich persönlich an Australien sehr überraschte, waren die vielen Gesetze und Verbote - für und gegen alles und jeden. Zum Beispiel durften wir mit unseren Kids in Sydney in keinem Hostels übernachten, wo Alkohol ausgeschenkt wird! Auch die sehr konservativ und hierarchisch geführten Unternehmen sowie die bereits im letzten Blogbeitrag erwähnte schwache Verfügbarkeit von Free Wifi habe ich in der Form nicht erwartet.

Die Campers von „wickedcampers.com“ waren zwar sehr preiswert, aber dafür fielen wir mit den nicht ganz jugendfreien Sprüchen eher negativ auf... 😂

Erstaunlicherweise war die Arbeit als Remote-Worker in Australien aus zwei Gründen am schwierigsten: Erstens weil Free Wifi an den allermeisten Orten (Restaurants, Hostels, Campings) nicht, oder nur sehr limitiert zur Verfügung standen und zweitens ist die grosse Zeitdifferenz zu Europa für die Kommunikation nicht sehr praktisch.

Ab nach Bali (Indonesien)

Ich habe wohl bereits zu viel Gutes über Bali gehört und war vielleicht deshalb eher ein bisschen enttäuscht. Obwohl wir zum Glück nicht zur „Hauptsaison“ dort waren, war insbesondere der Süden überfüllt mit Touristen und es war kaum mehr erkennbar, dass es sich bei Bali um ein asiatisches Land handelt. Die Strände können mit Australien oder Thailand nicht mithalten. Die Abfallproblematik ist riesig. Gefallen haben uns in Bali vor allem die schönen Reisterrassen, die vielen Tempel und der Norden, wo wir den Touristenströmen etwas entfliehen konnten.

Thailand - Kambodscha - Laos

Von Bali flogen wir direkt weiter nach Thailand, wo wir die Wärme, die schönen Strände und das feine thailändische Essen genossen. Es ist kein Geheimniss, dass Thailand sich aufgrund des Tourismus in den letzten 20 Jahren sehr stark verändert hat und nicht mehr die ganz ursprüngliche Schönheit bietet. Zum Glück bietet Thailand aber auch heute noch Orte abseits der Touristenpfade, die es ermöglichen, das Land des Lächelns mit all seinen Schönheiten zu geniessen. Ein unvergessliches Erlebnis in meinem Phuket-Office war, als mich plötzlich ein Waran besuchte:

Waran in Thailand
Ein Waran im Remote Office zu Besuch

Von Thailand ging es weiter nach Kambodscha, wo wir zuerst im Süden, auf zwei verschiedenen Inseln erreichbar von Sihanoukville, die Ruhe und Gemütlichkeit genossen, bevor wir dann über Phnom Penh nach Kratie (Mekong Delphine) weiter im Nordosten in der Region Banlung unsere Reise fortsetzten. Die Wahl zwischen einem normalen, preisgünstigen “Public-Bus” und einem Minivan fiel uns nicht immer leicht: Ersterer benötigt etwa 8 anstatt 4 Stunden für eine Strecke von rund 200 km. Die zweite Option ist doppelt so schnell, dafür sitzt man reglos auf einem halben Sitzplatz während man sich dem Ziel nähert.

in der Frontrow eines Minivan mit DREI! weiteren Personen. Zwei davon auf dem Fahrersitz-:)
in der Frontrow eines Minivan mit DREI! weiteren Personen. Zwei davon auf dem Fahrersitz-:)

Nach der Grenze zwischen Kambodscha und Laos, wo man sowohl bei der kambodschanischen als auch der laotischen Grenzkontrolle “Bestechungsgelder”, respektive Geld für Dienstleistungsservices in Form einer nicht offiziellen Stempelgebühr bezahlt, standen die eindrücklichen 4000 Inseln auf dem Plan.

Mekong mit Wasserbüffel
ein Weg auf einer der 4000 Inseln in Laos Mekong

Flussaufwärts gingen wir dann nach Tha Khek, wo wir den sogenannten Loop machten: Dieser führt rund 400 km durch eine wunderschöne Karstlandschaft mit mehrere Höhlen, authentischer Lao-Kultur und wunderschöner Natur. Ein Zürcher hat nicht weit von der berühmten Konglor Höhle an einem eindrücklichen Plätzchen sein “Spring River Resort” aufgebaut, wo wir dann auch ein paar Tage mit Kayaking, Wandern und Relaxen verbrachten.

auf mit dem Auto auf dem Loop rund um Tha Khek in Laos
die Banlung Höhle in Laos
ein mystischer Fluss in Laos

Von da aus ging unsere Reise weiter über Vientiane, der Hauptstadt von Laos, nach Vang Vieng und dann nach Luang Prabang. Die gesamte Region und das gemütliche Städtchen Luang Prabang haben uns sehr gefallen.

ein wunderschöner Wasserfall in der Nähe von Luang Prabang
Mönche beim morgentlichen Essen einsammeln in den Strassen von Luang Prabang, Laos

Weiter ging es dann in den Norden von Laos nach Luang Namtha. Hier sind bis jetzt erst wenige Touristen unterwegs und doch bietet die Region extrem viele spannende Aktivitäten wie z.B. eine mehrtägige Dschungel-Wanderung, welche wir mit einem Guide machten. Nun, eigentlich hiess es rund 4h wandern pro Tag, was dann effektiv jedoch eher 7h - 8h Marschieren pro Tag bedeutete. Das war nicht nur für unsere Kids, sondern auch für uns Eltern ein ziemlich sportliches, jedoch auch sehr interessantes Abenteuer.

ein sehr alter und dicker Baum im Norden von Laos
Michael in einem Dschungeldorf mit Einheimischen
ein uralter Riesenbaum in Laos

Auswahl an Erkenntnissen aus einem Jahr Work’n’Travel

ein Kind in Thailand mit Smartphone beschäftigt
verschiedene Zahlungsmethoden im Seven Eleven in Thailand Visa Alipay WeChat pay

Ein paar Insights und ein Buchtipp vom australischen Digital Markt

ein Uber Eats Signal in Sydney

Insights zum südostasiatischen und chinesischen App Markt

Disclaimer: in der nachfolgenden Liste zeige ich einige Erkenntnisse auf, welche mir auf der Reise aufgefallen sind, die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige Aussagen sind eher subjektive Wahrnehmungen und nicht unbedingt mit aktuellsten Marktdaten untermauert. Der Fokus liegt auf Südostasien und beinhaltet auch ein paar Insights zu China:

eine Reihe Smartphone Shops in Laos

Eine Auswahl an nützlichen Reiseapps

Auf dieser Reise habe ich vor allem Airbnb, Booking.com und Hostelworld zum Buchen von Apartments, Hostels oder Hotels genutzt. Diese Apps sind sehr einfach zu bedienen, enthalten sehr viele Angebote und sind äusserst praktisch, um die nächste Unterkunft auf einer nicht durchgeplanten Reise zu buchen. Was mich jedoch sehr stört ist, dass diese Apps, obwohl sie ganz klar für die Nutzung im Ausland ausgelegt sind, eine ziemlich schlechte Offline-Kompatibilität haben. Weder Booking.com, Hostelworld noch Airbnb schaffen es, die bereits gebuchten Unterkünfte lokal abzuspeichern, so dass man auch ohne mobiles Internet oder Wifi auf die Unterkunftdetails wie Adresse und Anfahrtsbeschrieb sowie die Buchungsnummer zugreifen kann. Die Apps “lösen” das Problem indem sie ein Bestätigungsmail mit diesen Angaben versenden, aber wieso sie diese für den User wichtige Inhalte nicht einfach cachen (lokal speichern), verstehe ich nicht. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass die Apps keine wirklich nativen Apps, sondern eher Webapps sind. Wichtig zu erwähnen ist, dass natürlich längst nicht alle guten Unterkünfte über diese Plattformen gebucht werden können und es sich oftmals lohnt, sich vor Ort auf die Suche nach einer preiswerten Unterkunft zu machen, welche sich (noch?) nicht den grossen Plattformen unterworfen hat.
Als wir für rund sechs Wochen mit dem Camper in Tasmanien und Australien unterwegs waren, fand ich die App CamperMate ganz praktisch, um sowohl gratis Camp-Sites als auch alle “offiziellen” Campingplätze einfach zu finden. Mit Google Maps ist es ja mittlerweilen sehr gut möglich, sich einzelne Kartenausschnitte herunterzuladen und dann ohne mobiles Internet offline jederzeit zu sehen, wo man sich gerade befindet.

Dank Airbnb die eigene Wohnung untervermieten

Eigentlich hatten wir das Glück vor unserer Abreise jemanden zu finden, der bereit war, unsere Wohnung für das gesamte Jahr zu mieten. Es kam dann doch anders und wir standen vor der Herausforderung, von unterwegs neue Untermieter für unsere Wohnung zu finden. Also entschieden wir uns spontan, unsere Wohnung via Airbnb unter zu vermieten. Das Resultat war, dass wir in den verbleibenden Monaten die gesamten Mietkosten durch Airbnb Gäste aus aller Welt decken konnten. Was jedoch bei dieser Strategie nicht zu unterschätzen ist und ziemlich viel Aufwand mit sich brachte, ist die Koordination, Kommunikation, Check-in und Check-out sowie Reinigung. Dank unserer lieben Nachbarin und unseren Eltern, welche uns hier tatkräftig unterstützten, konnten wir in nur drei Monaten zum Superhost aufsteigen und Menschen aus aller Welt das schöne Murten in unserem Apartment geniessen lassen.

Fazit: Ein Jahr Work and Travel Around The World

Dieses Jahr war für mich und die ganze Familie ein intensives und unvergessliches Erlebnis, welches wir jedem empfehlen und auch jederzeit wiederholen würden. Viele Menschen, sowohl zu Hause als auch unterwegs, haben uns oft ihren Respekt ausgedrückt und waren der Meinung, dass dieses Vorhaben in vielen Belangen “extrem” oder sogar “crazy” und ein bisschen unverantwortlich sei. Unsere Antwort war jeweils: “Ob man mit vier Kids zu Hause bleibt, oder auf Reisen ist, macht eigentlich keinen grossen Unterschied in Bezug auf den Aufwand, den vier Kinder mit sich bringen. Im Gegensatz zu “zu Hause” erlebt man immer wieder Neues (Natur, Kultur, Sprachen, Menschen), was gerade die Kids natürlich auch beschäftigt und es ihnen deshalb kaum jemals langweilig wird. Sie lernten nicht nur viele neue Dinge kennen, sondern lernten auch mit viel weniger Spielsachen, etwas weniger Sauberkeit und Luxus auszukommen. Aus beruflicher Sicht war die Reise auch eine Chance aus dem Alltagstrott heraus zu kommen, eine gewisse Aussensicht zu erlangen und auch die Digital-Märkte und das App Business in fernen Länder kennen zu lernen. Durch die Zeitverschiebung konnte ich ausserdem an dringenden Tasks arbeiten, wenn meine Arbeitskolleginnen noch im Tiefschlaf waren. Damit konnte ich in einigen Situationen einen hilfreichen Remote-Support bieten. Dank den vielen Kommunikationslösungen, welche via Web und Smartphone heutzutage genutzt werden können, war auch die direkte Kommunikation mit Kunden eigentlich nie ein grosses Problem. Ein Highlight war definitiv als mich der grosse Waran im Remote Office in Thailand besuchte und mich natürlich kurzerhand etwas von meiner Arbeit abzulenken vermochte.

Nun sind wir bereits ein paar Wochen zurück in der Schweiz und werden oft gefragt: „Und, hattest du einen Schock als du wieder zurück im Alltag warst?“ Dann sage ich: „Nee, überhaupt nicht, ich war ja schon mal 35 Jahre in diesem Leben und weiss wie das läuft...“. Genau so fest wie wir das Reisen, die fernen Länder, die für uns fremden Kulturen und Orte genossen haben, geniesse ich nun den Alltagstrott in der Schweiz. Es tönt vielleicht etwas komisch, aber ich habe mich echt gefreut in diese geregelte und durchgeplante Alltagsroutine zurück zu kehren. Nach rund einem Jahr „ohne Plan“ warten auf uns nun wieder ein paar Jahre „mit Plan“.

Last but not least

Ich hoffe, dass euch diese zweiteilige Reiseblog-Serie gefallen und im besten Fall sogar inspiriert hat. Reisen ist sicherlich nicht jedermanns Sache und es soll nicht der Eindruck entstehen, dass jemand ohne viel zu Reisen ein weniger spannendes und ausgefülltes Leben haben kann. Schlussendlich kommt das Glück und die Freude am Leben immer aus dem Innern des Menschen und hat wohl nicht viel mit dem aktuellen Standort oder dem Wohlstand zu tun. Falls jemand von euch lieben Blog-Lesenden eine ähnliche Reise plant und sich gerne mit mir darüber austauschen möchte, stehe ich sehr gerne zur Verfügung. Sehr gerne lese ich auch eure positiven, aber auch kritischen Kommentare zu diesem nicht ganz klassischen “Tech-Reise-Blog-Beitrag” - sei es auf Twitter oder gerne auch in einem persönlichen Gespräch.

Michael Schranz

Michael Schranz

Head of Business Development

Hier bündelt sich übermenschliches Marketing- und Business-Know How in einer Person. Zwei grüne Daumen und eine Vergangenheit als Maurer machen ihn zum Survivor of the fittest. Aber vorsicht, er beherrscht nicht nur die Kunst des Speed-Pitching und Public Speaking, sondern auch die des Filibusters.

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