Work and Travel - als Digitalnomade mit vier Kids rund um die Welt

05. Januar 2018 - von Michael Schranz

Während etwas mehr als 11 Monaten reise ich mit meiner Lebenspartnerin und unseren vier Jungs rund um die Welt. Unterwegs arbeite ich als Digitalnomade an den verschiedensten Orten auf drei Kontinenten. Im Moment befinden wir uns in Tasmanien (Australien). Nachdem unsere Reise im Juli 2017 in Brasilien begonnen hatte, ging es weiter nach Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Chile und Australien. Ende 2017 verliessen wir Südamerika und flogen nach Australien. Und ab Mitte Februar steht Asien auf dem Plan, wo wir in rund vier Monaten Indonesien, Vietnam, Kambodscha, Laos und Thailand bereisen und entdecken werden.

«Life has no limitations, except the ones you make.»
— Les Brown

Warum, wieso, weshalb « tue » ich uns das an?

Dazu gibt es ein für mich treffendes Zitat:

«Eine Investition ins Reisen ist eine Investition in dich selbst»
— Matthew Karsten

Seit meiner Jugendzeit liebe ich das Bereisen und Erleben von vielfältigen Ländern und Kulturen. Interessant ist, dass wir ganz unterschiedliche Reaktionen auf unsere Reisepläne bekommen haben. Von Superhero bis Spinner habe ich schon alles gehört. Deshalb die Frage: Warum tue ich mir bzw. uns als Familie das an? Das Reisen inspiriert mich und erweitert den Horizont. Es zeigt mir und hoffentlich auch den Kids, wie gut es uns in der Schweiz geht. Und wie wenig von dem Luxus es tatsächlich braucht, um glücklich zu sein.
Meine Passion für die Arbeit bei Apps with love führte oft dazu, dass ich viel unterwegs war und meine Kinder nebst dem Vorlesen der Gutenachtgeschichte vor allem an den Wochenenden richtig geniessen konnte. Diese Reise bietet mir die Chance, mich stärker den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Familienmitglieder, der Erziehung und dem Aufwachsen unserer vier Jungs zu widmen.

Tools, Apps & Gadgets für Digitalnomaden

Welche digitalen Hilfsmittel begleiten mich auf dieser Reise und ermöglichen, dass ich meinen Job als Business Developer remote erledigen kann? Smartphone, Tablet und Laptop inkl. allen nötigen Schutzhüllen und Lade-Utensilien, sowie internationalen Steckern waren klar gesetzt. Dazu noch ein paar nützliche Apps für unterwegs wie z.B. Wifi-Mapper, iOverlander, airbnb, booking.com, Hostelworld, und die Swisscom Roaming App. Whatsapp, Skype und Slack für die Kommunikation mit Arbeitskolleginnen und Kunden. Deezer Abo (Musikdienst wie Spotify) sowie Bluetooth Speakers sichern die musikalische Untermalung der Reise. Meine Canon Spiegelreflexkamera inklusive zwei zusätzlichen Objektiven sind zwar für die Arbeit nicht zwingend nötig aber trotz des beträchtlichen Platzes, welcher damit für andere Dinge fehlt und dem erhöhten Risikos eines Diebstahls, wollte ich diese nicht zu Hause lassen. Ein paar inspirierende Bücher und mein Moleskin für die Zeiten ohne Internetzugang z.B. auf langen Busreisen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Meine Arbeitsplätze around the World

Für die effiziente Arbeit, bildet ein funktionierendes WLAN die Basis. Dies war in ganz Südamerika kein allzu grosses Problem. Von den bisher bereisten Ländern war es höchstens in Bolivien nicht immer ganz einfach, Zugang zu einem stabilen WiFi zu finden. Da wir unsere Zeit lieber auf dem Land in der Natur als in den Grossstädten verbringen, kam es des öfteren vor, dass ich nur zeitlich beschränktes (z.B. nur für zwei Stunden morgens) oder sehr instabiles und schwaches Netz vorfand. Im Gegensatz zu Europa wird hier sogar in den Reisebussen mit « WiFi-on-Board » geworben. Diese WiFis sind jedoch in 95% der Fälle nicht wirklich zu gebrauchen. Da die Busse das WiFi über das Datennetz (3G, 4G) via Hotspot an ihre Reisegäste weiterleiten, ist der Speed sehr beschränkt und sobald man sich etwas ausserhalb von Städten befindet, verständlicherweise überhaupt nicht zu gebrauchen.

Vorteile von Work and Travel als Digitalnomade

  • Weniger Ablenkung durch Telefonate, physische Meetings oder sonstige Unterbrechungen
  • Kreativität, Inspiration und «out of the box» Denken werden durch die neuen und oft sich in der Natur befindenden Arbeitsplätze angeregt
  • Durch den Abstand zum Tagesgeschäft geht die Betriebsblindheit zurück und ein freier Geist und klare Gedanken werden gefördert. Es entstehen rascher neue Ideen und Strategien auf einer anderen Flughöhe
  • Grössere Nähe zu den Kids und der Familie: Meine Work-Life Balance ist hier sensationell und die Beziehung zu den vier Jungs stärker denn je. Dies beeinflusst auch die Qualität meiner Arbeit und Kreativität.
  • Einsichten in die weltweiten App Markets auch von Entwicklungsländer gewinnen
  • Neue Sprachen lernen oder auffrischen

Herausforderungen und Nachteile von remote work

  • Die Stimmungslage und Emotionen im Office können nicht oder nur beschränkt wahrgenommen werden.
  • Die Zeitdifferenz macht es schwieriger, Termine (Calls) zu vereinbaren und auf wichtige Mails, welche z.B. morgens versandt werden, zu antworten. Dafür besteht die Möglichkeit, gewisse Arbeiten, welche von Arbeitskollegen/Innen nicht bis zum Feierabend abgeschlossen werden konnten, noch zu erledigen.
  • Der « spontane » persönliche und auch informelle Austausch fehlt mir sehr.
  • Wichtige persönliche Gespräche sind nur via Call möglich, obwohl die physische Nähe oftmals von Vorteil wäre
  • Fun und Teambuilding-Aktivitäten fehlen mir. Mehr zur Kultur bei Apps with love im Blog von Till Könneker «Play & Error»
  • Durch die Distanz zum Tagesgeschäft kommen mir oft «out-of-the-box » Ideen in den Sinn. Des öfteren kommen diese Inputs von mir weder zum perfekten Zeitpunkt (Stimmung) noch genügend klar über den Ozean. Ich musste rasch lernen, dass es wichtig ist, zuerst via Call mit einigen Stakeholdern über solche «out of the box» Dinge zu sprechen, und erst im Anschluss meine schriftlichen Erläuterungen zu übermitteln. Ich kann und darf nicht erwarten, dass meine Arbeitskolleginnen und Kollegen gerade in der Stimmung oder in der Lage sind, meinen Ideen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.
«Wenn du denkst, Abenteuer seien gefährlich, versuch’s mal mit Routine. Die ist tödlich!»
— Paulo Coelho

Funktioniert «Business Development» überhaupt remote?

Etliche denken sich wohl, dass ich meine Arbeitszeit kaum sinnvoll und für Apps with love gewinnbringend nutzen kann. Ich durfte jedoch rasch feststellen, dass wir genügend Aufgaben haben, welche ich trotz örtlicher Distanz (fast) genauso gut erledigen kann. Dies wären unter anderem:

  • Kundenanfragen beantworten
  • Offerten ausarbeiten
  • App Marketing und App Store Optimierungen (ASO) für Kunden- und Eigenprojekte
  • Social Media Kommunikation (Twitter, Facebook, Instagram, Linkedin, G+)
  • Blogposts schreiben und promoten
  • Tech-Trends recherchieren und Strategien ausarbeiten
  • Networking around the globe
  • Analysen, Reports und Business-Cases schreiben
  • Weltweite Kunden und Partner von Apps with love besuchen und neue Kunden akquirieren

Spannende Erfahrungen und persönliche Highlights

Eine spannende Erfahrung für mich war, zweimalig via Skype für Studierende der Berner Fachhochschule zu dozieren. Beim ersten Mal war ich in Ecuador an der Küste und beim zweiten Mal in Quito (auf rund 3’000 m.ü.M.). Trotz der einmaligen Erfahrungen stellte es zugleich eine beachtliche Herausforderung dar, da ich grundsätzlich die physische Nähe, Interaktion und den Augenkontakt mit Studierenden sehr schätze. Aufgrund von gewissen technischen Herausforderungen sahen mich zwar die Studis, aber ich konnte sie nicht sehen. Gut war, dass mir Bruno Bucher vorab eine grosse Anzahl an Fragen der Studierenden zum Thema «App Markt» zugesandt hat und ich somit eine Frage nach der anderen elaborieren konnte. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass ich aufgrund der fehlenden nonverbalen Kommunikation die Geschwindigkeit beim Sprechen reduzieren musste, damit die Zuhörenden meinen Erläuterungen überhaupt folgen konnten.

Bruno Bucher, Dozent für Digital Marketing an der Berner Fachhochschule für Wirtschaft, beschreibt das Experiment folgendermaßen:

Wie müsste Digital Lecturing organisiert sein? Genauso wie wir das mit Michael Schranz von Apps with love getan haben. Der Digitalnomade sitzt nicht im Nebenzimmer und spricht in den Monitor via Skype zu den Studenten, sondern in Ecuador am Strand unter Palmen. Das wirft das Kopfkino an und sämtliche Sinne richten sich auf das iPad aus, das vor der Klasse steht, da wo normalerweise der Dozent um Aufmerksamkeit buhlt. Sie hören nicht nur dem Vortragenden gebannt zu, sondern nehmen Hundegebell war oder quengelnde Kinder, die ihren Vater reklamieren. Und sie achten pingelig darauf, ob auch ihre zuvor nach Südamerika geschickte Frage beantwortet wird. Und Michael tut es akribisch. Am Schluss zweifelt niemand mehr daran, dass die App Ökonomie essentiell ist.”

Ein grosses und unvergessliches Highlight für mich war, als mein Team die Best of Swiss App Awards via Periscope streamten. Ich konnte somit bei diesem für mich wichtigen Anlass gefühlt live dabei sein. Mehr über die Erlebnisse von Apps with love am Best of Swiss Apps Award findest du in folgendem Blogbeitrag.

Weitere Erkenntnisse auf meiner Reise

  • In Brasilien sagt man den Apps – A-P-P-s
  • Die App Märkte in ganz Südamerika befinden sich in einem starkem Wachstum. Viele Leute besitzen noch kein Smartphone und haben noch keinen Zugang zu mobilem Internet, was sich jedoch in den nächsten Jahren stark verändern wird. In Brasilien und Mexiko ist die mobile App Nutzung am höchsten. Bolivien hat laut einer Studie von eMarketer die höchsten Wachstumsraten.
  • Damit eine App in Südamerika Erfolg haben kann, ist natürlich Spanisch (respektive Portugisisch) eine wichtige Voraussetzung. Eine nur auf Englisch übersetzte App wird hier kein Erfolg haben.
  • Die App-Entwicklung und das Gründen von Tech-Startups ist noch in den Kinderschuhen, mit sehr starkem Wachstumspotenzial.
  • Vor allem amerikanische App-Entwicklungsfirmen haben hier in Südamerika einige Entwicklungszentren. In Santa-Cruz (Bolivien) habe ich auch einen Schweizer Ableger gefunden. Auf meine Kontaktaufnahme und Einladung zum Bier erhielt ich jedoch keine leider Antwort -:)
  • Voice-Messages sind hierzulande viel beliebter als z.B. in der Schweiz. Dies wird wohl auch einen Einfluss auf die Nutzung von Sprachassistenten sowie Voice-Search haben.
  • Whatsapp everywhere. Auch mit Hostels funktioniert die Kommunikation via Whatsapp am einfachsten.
  • Homeschooling der Kinder ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn wir sehr gutes Lernmaterial mit uns dabei haben, ist die persönliche Betreuung, respektive das Coaching und Motivieren der Kids beim Lernen recht aufwendig.
  • In ganz Südamerika sind Kinder und Familien nicht nur knapp toleriert wie in der Schweiz, sondern sehr willkommen. Eine grosse Schlange zum Anstehen an der Grenze, am Flughafen oder Busterminal? Kein Problem, Familien dürfen sich zuvorderst einreihen. Deinem Kind geht es nicht so gut und es schreit wie am Spiess? No worries, alle werden sich darum kümmern und endlos Geduld und Verständnis dafür zeigen
  • Von den bis jetzt bereisten Ländern gibt es das beste Free-WiFi-Angebot in Brasilien und - überraschenderweise - in Australien das schlechteste.

Danke und hasta luego

Ein herzliches Dankeschön geht an alle Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, unsere Kunden und natürlich meine Lebenspartnerin sowie unsere Kids, welche nicht nur viel Verständnis, sondern auch des öfteren etwas Geduld aufbringen müssen, damit wir dieses Work and Travel Experiment überhaupt erleben können.

«Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben. »
— Alexander von Humboldt

Hast du Fragen oder möchtest du noch mehr über meine Erlebnisse als Digitalnomade erfahren? Schreibe einen Kommentar oder auch direkt eine Mail an mich. Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen und Rückmeldungen zu diesem Blogpost. In Australien werde ich ein paar App Agenturen am anderen Ende der Welt besuchen und eventuell auch darüber noch einen kleinen Erfahrungsbericht schreiben. The future will tell.

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