Mit der Ankündigung von Apples Plattform-Updates bei der WWDC 25 (hier unsere Eindrücke im Story-Highlight) wurde auch eine neue Designsprache vorgestellt, welche alle bisherigen Betriebssysteme betrifft. Liquid Glass ist der Name und ein Teil des bisher grössten Redesigns von Apple seit iOS 7 in 2013. Liquid Glass wird die Nutzungserfahrung der Betriebssysteme und damit der Apps auf Apple Plattformen grundlegend prägen.
Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Worum geht es und wie wird Liquid Glass neue und bestehende Apps beeinflussen?
Bei Liquid Glass handelt es sich um digitales, flüssiges Glas. Es hat die optischen Eigenschaften von Glas, aber eine Reaktivität von Wasser. Es lässt den Hintergrund durchscheinen und kann mit flüssigen Animationen flexibel eingesetzt werden.
Das Material bricht und reflektiert alle dahinter platzierten Elemente und verwendet realistische Beleuchtung und Shader, um wie ein echtes Stück Glas zu wirken. Gleichzeitig reagiert es dynamisch auf Interaktionen der Nutzer*innen, indem es sich vergrössert, gleitet, aufhellt und sich mit anderen Elementen verbinden kann. Man kann Elemente ziehen und als Entwickler*in schöne Animationen mittels Morphing erstellen.
Es passt die Farbe von Symbolen oder Text entsprechend an ein helles oder dunkles Erscheinungsbild und Hintergrund an, um sie auf dem durchsichtigen Material immer noch lesbar zu machen. Dieser neue Look verändert nicht nur die Ästhetik, sondern vor allem die Funktionalität und die User Experience.
Die Intention hinter Liquid Glass ist es, neu zu definieren, wie Inhalts- und Steuerungselemente in einer App miteinander interagieren. Durch die visuelle Separierung mittels diesem Material erhält das UI neue Tiefe und lässt mehr Platz für den Inhalt. Es soll auch die Komplexität und die kognitive Belastung reduzieren. Damit ist der Inhalt der App an erster Stelle. Alles ist auch ein bisschen runder und vom Rand des Bildschirms losgelöst, da die neuen iPhones seit dem iPhone X abgerundete Ecken haben. Dies wurde bisher in der Designsprache von Apple noch nicht ganz reflektiert. Jetzt schon.
Dynamische Navigation mit Liquid Glass. Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Die Inspiration und Geschichte von Liquid Glass
Woher kam die Inspiration für Liquid Glass? Craig Federighi, Senior Vice President of Software Engineering bei Apple, sagte, dass die grösste Inspiration vom Design des Vision OS kommt. Und warum ein “glassy” Interface?
Das flüssige Glas hat die Eigenschaft, sich anzupassen und ermöglicht, dass sich das Interface komplementär im Kontext integrieren kann. Beim Beispiel Vision OS ermöglicht es, ein fester Bestandteil eines Raums zu sein. Gleichzeitig lässt es viel Platz und fühlt sich offen an.
Die Idee mit der Transparenz ist aber nichts Neues. Schon seit iOS 7 gibt es durchsichtige Elemente auf dem iPhone und im Jahr 2001 veröffentlichte Apple das erste MacOS (vorher OS X oder Mac OS X und nicht zu verwechseln mit dem Classic Mac OS), mit dem “Aqua” Design Interface, welches die ersten transparenten Oberflächen und Reflektionseffekte verwendete. Auch Microsoft hat bereits vor knapp zwanzig Jahren mit dem Release von Windows Vista Anfang 2007 mit Transparenz und Glas-Effekten unter dem Namen Windows Aero experimentiert. Diese Betriebsystemversion war allerdings aus unterschiedlichen Gründen ein Misserfolg.
Was verändert sich durch Liquid Glass?
Das Redesign gibt den bestehenden Systemkomponenten ein komplett neues Aussehen. Betroffen sind davon unter anderem Sliders, Toggles, Alerts, Panels und Sidebars.
Interaktive Elemente mit Liquid Glass. Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Die Navigationselemente wie Toolbars haben ebenfalls ein Redesign bekommen. Das bedeutet, diese Komponenten haben erweiterte Interaktionen und Animationen. Manche sind runder und grösser, andere minimalistischer und kompakter.
Für Entwickler*innen sind Werkzeuge verfügbar, um bei den eigenen Komponenten das Liquid Glass Material einzubauen. Es gibt Design Libraries von Apple und auch Plugins für Figma. Auch neue App-Icons sind möglich. Mit dem App Icon Composer können Icons erstellt werden, welche dann von den Benutzer*innen noch persönlich mit Färbungen angepasst werden können.
3D Effekte für die Belichtung von Icons. Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Der Vorher-Nachher-Vergleich
Aber was verändert sich denn jetzt überhaupt bei einer bestehenden App? Bei der Modernisierung unserer Apps zeigt sich folgende Erkenntnis:
Navigation Bars und Toolbars haben die meisten Breaking Changes. Sheets werden durchsichtig und haben ein höheren Corner Radius. Hintergrundfarben (wie ein leicht transparentes Grau zum Abdunkeln) können mit dem Liquid Glass Material zu Konflikten führen.
Auch können vorher nicht transparente Elemente durchsichtig werden. Da es noch zusätzliche Modifikationen zur Tastatur gab, kann es zu unerwarteten UI Bugs kommen. Konzeptionell gibt es auch Änderungen: Statt ein Suchfeld über dem Inhalt, fordert Liquid Glass einen Floating-Button im Kontext.
Warum du deine App für Liquid Glass aktualisieren solltest
So, jetzt kommt die Frage, warum das Ganze denn überhaupt relevant ist. Ab September werden iOS 26 und die anderen Betriebssysteme allen Apple User*innen (mit einem iPhone 11 oder neuer) zur Verfügung stehen. Und sobald das Update installiert wurde, ist das Liquid Glass Design überall in Apples Apps und Betriebssystemen zu sehen. Das iPhone und alle betroffenen Interfaces fühlen sich neu an und haben einen “fresh look”.
Gleichzeitig heisst das aber auch, dass es um so mehr auffällt, wenn eine App kein Liquid Glass eingebaut hat. Nutzer*innen werden sich mit der Zeit an das neue Interface gewöhnen und werden den neuen Standard an Animationen und das minimal Design auch von nicht-Apple Apps erwarten. Für bestehende Apps bedeutet das konkret:
Nichts tun lässt eine App veraltet aussehen.
Wenn eine App in ihren App Store Screenshots keine modernen Systemkomponenten zeigt oder allgemein einen älteren Eindruck macht, können Interessierte davon ausgehen, dass die App schon länger nicht mehr aktualisiert oder gepflegt wurde. Vor allem bei Apps mit grosser Konkurrenz und/oder bei denen der erste Eindruck besonders wichtig ist, kann so etwas zu einem Verlust an neuen potenziellen Kunden oder Userinnen führen. Um so wichtiger ist es, dass man mit der Zeit und bei einer iOS App mit Apple mitgeht und sichsich nicht abhängen lässt.
Die Vorteile und Chancen mit Liquid Glass
Und das bringt uns zu den Vorteilen, die eine Modernisierung mit sich bringt: Die überarbeitete Designsprache von Apple soll die visuelle Hierarchie und Lesbarkeit verbessern. Durch die neue Tiefe, Harmonie und Konsistenz mit dem Betriebssystem wird die kognitive Belastung verkleinert. Zudem wird durch den Glaseffekt der eingenommene Platz von Kontrollelementen als kleiner wahrgenommen. Das führt zu schnellerer Informationsverarbeitung, besserer Übereinstimmung mit dem Betriebssystem und Vertrautheit.
Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Ein visuelles Update signalisiert auch aktive Pflege. Selbst ohne technische Überarbeitung vermittelt ein frisches Design den Eindruck von Aktualität und Moderne. Das ermöglicht eine einfache und verhältnismässig günstige Methode, um die Wahrnehmung der App und Firma aufzufrischen und auch zu überarbeiten, ohne grosse Anpassungen an Features und Funktionen.
Mit den Änderungen der Designs bei Apple und Google (mit Material 3 Expressive) kann es auch dazu kommen, dass Nutzer*innen eine Überarbeitung der Designs erwarten. Da Android und Apple gleichzeitig neue native Interfaces und Design Language veröffentlicht haben, wird es für Nutzende um so mehr sichtbar sein, wenn eine App nicht angepasst ist/wurde.
Ein Design-Update ist auch die perfekte Gelegenheit, die gesamte User Experience kritisch zu hinterfragen und das bestehende Design zu optimieren. Man könnte sogenannte Design Dept reduzieren und gleichzeitig können Dependencies auf den neuesten Stand gebracht werden.
Dieser visuelle Sprung erleichtert nicht nur die Bedienung, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Vertrautheit und Qualität, da eine App nahtlos mit der User Experience des Betriebssystems von Apple zusammenspielt. Das Ergebnis: verbesserte User Experience, höhere Nutzer*innenzufriedenheit und potenziell bessere App Store Bewertungen.
Die Herausforderungen durch Liquid Glass
Jede Änderung bringt auch Herausforderungen mit sich. Die erste ist natürlich, dass es überhaupt zu einer Veränderung kommt. Diese Veränderung bedeutet, dass Nutzer*innen, Entwickler*innen, Design Teams und generell Stakeholder sich anpassen müssen. Dafür muss man sich Zeit nehmen.
Da es sich um ein umfassendes Redesign eines Betriebssystems handelt, das sich über längere Zeit nicht gross verändert hat, wurde es auch von einigen Apple-Nutzenden kritisiert. Glücklicherweise ist sich Apple dessen bewusst und gibt Entwickler*innen bis Ende Q1 2026 Zeit, ihre Apps an die Designprinzipien von Apple anzupassen. Dies ermöglicht auch den Nutzenden, sich an das neue Design zu gewöhnen.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, die eigene Firmenidentität (Corporate Identity und Corporate Design, CICD) trotz iOS Native UI Komponenten abzubilden. Jedoch können Veränderungen auch helfen. Denn das Liquid Glass Material ermöglicht es, mehr Fokus auf den eigentlichen Inhalt und spezifische stilistische Mittel zu bringen, wodurch die Firmenidentität klar kommuniziert werden kann.
Wie schon oben angesprochen, sind nicht alle Fan des neuen Looks. Wir sind jedoch der Meinung, dass die meisten Nutzenden sich anpassen, respektive sich schnell an Liquid Glass gewöhnen werden. Ausserdem hat Apple auch schon auf das Feedback gehört: das Frosting des transparenten Materials, also die Unschärfe, wurde über mehrere Beta-Versionen hinweg erhöht. Zudem ermöglicht es Apple schon seit Beginn, die Transparenz des Materials in den Einstellungen deutlich zu reduzieren.
Was passiert, wenn die Transparenz reduziert und der Kontrast erhöht wird. Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Deadlines und nötige Anpassungen
Es wird erwartet, dass iOS 26 Mitte September 2025 offiziell erscheint. Ab diesem Zeitpunkt wird das Update für alle Apple Geräte, die einen equivalent Chip von einem iPhone 11 oder neuer besitzen, zur Installation verfügbar sein. User*innen mit einem kompatiblen Gerät können dann die neuesten Funktionen und Verbesserungen des Betriebssystems nutzen.
Einige Tage vor der offiziellen Veröffentlichung von iOS 26 werden voraussichtlich die App Store Submissions für iOS 26 Builds freigegeben. Das heisst es ist für uns und andere Entwickler*innen möglich, Apps an das neue Design und die neuen Funktionen von iOS 26 anzupassen und diese Updates für die Überprüfung im App Store einzureichen, um pünktlich bei der Veröffentlichung bereit zu sein. Das ist noch nicht zwingend, aber spätestens nächsten Frühling wird man neue Builds mit dem iOS26 Software Development Kit (SDK) erstellen müssen.
Vorschau von Apples neuen Designsprache und Icons. Quelle: Apple, Ausschnitt aus Meet Liquid Glass
Welche Handlungsoptionen gibt es?
Option A: Die App wird gelassen, wie sie ist, kein Update wird gemacht.
Systemkomponenten, die in der Entwicklung nicht angepasst oder verändert wurden, wie Alerts, Datepickers und Toolbars, bekommen automatisch ein neues Aussehen. Wenn nicht alles Eigenkreation ist, kann es also zu einem Mischdesign kommen. Das bedeutet, dass selbstgemachte Elemente schnell negativ auffallen können und der Unterschied sichtbarer wird. Auch werden die neuen/anderen Erwartungen an UI und UX nicht erfüllt.
Falls eine App auf einem iPad läuft, gibt es auch hier Veränderungen. Mit dem neuen Window Mode auf iPadOS können Apps auf dem iPad in verschiedenen Grössen und Seitenverhältnissen geöffnet werden. Wie wir selbst festgestellt haben, kann das zu Problemen führen. Somit raten wir, Apps auch auf einem iPad zu testen - für die Apps unserer Kund*innen machen wir das natürlich sowieso.
Option B: Ein neuer Build wird mit dem iOS 26 SDK erstellt und Bugs werden mit minimalem Aufwand gefixt.
Durch einen neuen Build mit dem neusten SDK werden die meisten Systemkomponenten angepasst. Das kann zu ein paar Bugs führen. Denn vor allem bei der Navigation wurden viele Veränderungen von Apple gemacht. Dadurch sind meist einige Bugfixes nötig, um die App wieder in gewohnter Qualität zum Laufen zu bringen. Es ist auch eine gute Möglichkeit, zum Beispiel das App Icon mit dem neuen Icon Composer zu aktualisieren und die App Store Screenshots zu erneuern. Damit signalisiert die App schon beim ersten Kontakt einen modernen Touch.
Option C: Gezielte Anpassungen für das neue Design
Die neue Designsprache und die UX-Veränderungen sind eine gute Gelegenheit, die App genauer unter die Lupe zu nehmen. Aufbauend auf Option B können Elemente mit dem Glas Effekt überzogen werden und die Prinzipien wie “Content First” durchgehend angewendet werden. Schöne Animationen und adaptive Designs mit den Interfaces von Apple lassen die App modern und qualitativ hochwertig wirken. Dieses Update lässt sich auch perfekt mit einem neuen Marktauftritt im App Store verbinden.
Zu Option A ist wichtig zu sagen, dass das Update auf das neueste SDK von Apple nicht optional ist. Denn früher oder später können neue Builds für den App Store nicht mit älteren SDKs gebuildet werden. Somit sind Entwickler*innen und Firmen ab Frühjahr 2026 genötigt, ihre Apps auf iOS 26 zu updaten, sobald sie ein neues Feature implementieren oder einen Bug beheben wollen.
Deswegen empfehlen wir, diese potenziellen zukünftigen Probleme so früh wie möglich anzugehen. Da es zu dringenden Änderungen und Hotfixes bei einer produktiven App kommen kann, wird es eventuell nicht noch Zeit geben, Bugs von dem neuen Design auch noch zu beheben.
Übrigens: Naming is hard
Anstatt mit iOS 19 weiterzufahren, werden neu alle Betriebssysteme mit dem Kalenderjahr beschriftet, in welchem das Betriebssystem am meisten gebraucht wird. Bedeutet iOS 19 wird iOS 26, da es vom September 2025 bis zum September 2026 das aktuellste OS für das iPhone sein wird.
Gut gerüstet in die Zukunft
Unsere Kunden und Kundinnen, die mit uns einen Servicevertrag für ihre App haben, sind vorbereitet: Zu unserem Service gehört das jährliche Regression Testing mit den Beta-Versionen der relevanten Betriebssysteme. Auch dieses Jahr haben wir von allen betroffenen iOS-Apps neue Test-Builds gemacht und bieten unseren Kund*innen dann die jeweils passende Option für ein Update an.
Wenn du dir nicht sicher bist wie deine App für iPhone, iPad oder auch MacOS, Apple Watch, Vision Pro oder gar tvOS- alle Apple-Plattformen und Systeme der Generation 26 wechseln zur Designsprache Liquid Glass - betroffen ist: Wir kennen das Apple Ökosystem und haben schon viele Design Trends mitgemacht. Wir helfen gerne und können sowohl einfach Beratung in einem persönlichen Gespräch bieten, aber auch Designs auffrischen und technisch umsetzen. Meld dich gerne via info@appswithlove.com, unter 031 333 01 51, oder komm spontan auf einen Kaffee vorbei!