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User Research Workshop von Apps with love in Murten
Donnerstag, 13. Juli 2017 / Gepostet von Alexandra Tanner, M.Sc.

User Research in der App-Entwicklung - Unsere Erfahrungen

Wie gelingt die Integration von User Research in die App-Entwicklung? Die Psychologinnen Julia, Milena und Alexandra blicken auf ein Jahr angewandte Nutzerforschung bei Apps with love zurück und verraten ihre gewonnenen Insights.

Ziel war und ist es, unsere Produkte noch gezielter nach den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer zu gestalten, um weiterhin einzigartige Erlebnisse mit unseren Apps zu schaffen. User Research in unsere Prozesse zu integrieren ist ein hartes Stück Arbeit. Wie wir die Integration des psychologischen Blickwinkels in die Produktentwicklung angegangen sind, und warum sich das für uns und unsere Kunden gelohnt hat, verraten wir in diesem Beitrag.

UNSER VERSTÄNDNIS VON USER RESEARCH

Bei Apps with love stand von Beginn weg die Psychologie und eine fundierte und innovative Anwendung psychologischer Werkzeuge für den User Research im Zentrum. Warum Psychologie? In der Psychologie wird das menschliche Verhalten und Erleben systematisch analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse werden dadurch nachvollziehbar und vergleichbar. Dies ist uns deshalb so wichtig, weil wir überzeugt sind, dass User Research das Potenzial dann vollständig entfalten kann, wenn die Auswahl, Vorbereitung und Anwendung der Methoden wohl überlegt durchgeführt wird und die Ergebnisse systematisch analysiert und nachvollziehbar aufbereitet werden. Auf diese Weise können wir Erkenntnisse und Inspirationen mit Hand und Fuss liefern und überlassen die Begründungen für oder gegen etwas nicht dem Zufall.

INTEGRATION USER RESEARCH IN DIE BESTEHENDEN APP-ENTWICKLUNGSSCHRITTE

Eine gezielte Anwendung von psychologischen Werkzeugen in der App-Entwicklung sollte geschickt angepackt werden, um Prozessbehinderungen für alle Beteiligten möglichst zu vermeiden. Die Basis dafür liefert unser eigens entwickeltes iRAIV-Modell.

Zusammengefasst gliedert dieses Modell die Research-Aktivitäten in vier Phasen (Research, Analyse, Ideation und Validierung) und lässt sich einfach und skalierbar in alle App-Entwicklungsschritte wie Kick-off Workshop, Konzeptentwicklung, Requirements Engineering oder Testing integrieren.

Apps with love Entwicklungsprozess - User Centered Design

Ziel ist es, mit der passenden Methode - Interview, Beobachtungen, Fragebögen, Usability Testings oder Fokusgruppen - das Verhalten und Erleben der User systematisch zu erfassen und somit besser zu verstehen. Die richtige Mischung aus qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden ist dabei die Kunst: Man muss nicht nur wissen, was, wie und wie stark oder wenig der User etwas möchte, sondern vor allem warum. Erst dadurch können wir die einzigartigen Erlebnisse gestalten, die die Bedürfnisse der User erfolgreich bedienen.

Doch mit einem verschriftlichten Modell ist es für eine reibungslose Zusammenarbeit natürlich noch nicht getan. So haben wir Schritt für Schritt darauf hingearbeitet, ein gemeinsames Verständnis von UX und User Research im Team bei Apps with love zu verankern.

Milena Rutz gestaltet einen Workshop zu User Research für die Mitarbeitenden von Apps with love
Das User Research Team gestaltet einen Workshop zu User Research für die Mitarbeitenden von Apps with love

Dieses gemeinsame Verständnis bildet die Grundlage dafür, dass wir in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Rollen bzw. Berufsdisziplinen dieselbe Sprache sprechen, um so unsere Arbeit effizient zu gestalten. Unter anderem haben wir an einen intensiven Team-Tag zum Thema gestaltet und durch spezifische Reflexionsschleifen in den Projekten Platz für eine Diskussion auf der Meta-Ebene geschaffen und so unser Verständnis und unsere Haltung zu Themen wie Design Thinking und User Research stetig gefestigt.

DIE ERSTEN USER RESEARCH AKTIVITÄTEN

In verschiedenen Projekten durften wir eine Vielzahl von Methoden anwenden. Dazu gehörten beispielsweise eine vertiefte Konkurrenzanalyse, qualitative Interviewstudien, Prototyp-Testings, diverse Workshops mit Fokus auf Customer Needs, Fokusgruppen mit inkludiertem Screen-Testing oder auch quantitative Fragebögen. Dabei ist uns besonders wichtig, die Methoden sorgfältig und abhängig von der Fragestellung zu wählen sowie die zur Fragestellung passenden Personen zu integrieren. Beispielsweise befragten wir für die Validierung einer App-Idee zum Gestalten und Bestellen von Postkarten, eine Auswahl von zwölf Personen. Mit einer gezielten Ausschreibung wählten wir eine sehr heterogene Gruppe in Bezug auf Beruf, Alter, Herkunft, und Einstellungen aus. Doch eins hatten alle unsere Testpersonen gemeinsam: Sie sind design- und technikaffin und repräsentieren auf diese Weise die definierte Zielgruppe. Aufgrund des bewussten Samplings gelang es uns, die Ergebnisse so zu bündeln, dass eine Verdichtung auf wesentliche Funktionen im Prototyp der App möglich war – trotz der eher geringen Anzahl der Testpersonen. Dazu erhielten wir eine Vielzahl innovativer Ideen und interessante Einblicke in die Motive und Haltungen der Zielgruppe, die wir auch im Hinblick auf die Marketingstrategie verwenden konnten. Eine zentrale Erkenntnis war beispielsweise die Wichtigkeit der hochwertigen Haptik der Karten und somit stand schon - bevor überhaupt eine Zeile Code geschrieben war - bereits eine Marketing-Frage im Raum: Wie lässt sich die Haptik der Karten in den digitalen App-Kontext übertragen?

Alexandra Tanner beobachtet, wie sich der Nutzer im Testing verhält
Alexandra Tanner beobachtet, wie sich der Nutzer im Testing verhält

WAS SIND UNSERE DREI KEY LEARNINGS?

Eine saubere Durchführung einer qualitativen Interviewstudie von der Definition der Auswahlkriterien über die Leitfadenkonzeption, Durchführung bis hin zur systematischen Auswertung geht nicht in „quick & dirty“, sondern benötigt Zeit und Denkarbeit. Bei der Darstellung der Ergebnisse zeigte sich dann, dass sich dieser Effort lohnt, denn die Ergebnisse hatten ein stabiles Fundament und konnten so gegenüber unseren Teamkollegen als auch dem Kunden mühelos vertreten werden. Gerade den Kunden konnten wir eine realistische und lebensnahe Vorstellung der Usergruppe und deren Gedanken und Einstellungen vermitteln, die über die üblichen soziodemografischen Merkmale oder Trendbegriffe wie „digital native“ oder „silver surfer“ hinausgeht. Von Kunden erhalten wir glücklicherweise auch entsprechendes Feedback:

«Wer eine Idee hat, ist in der Regel von ihr begeistert. Die User Research zeigt auf, ob die Idee im Markt auch tatsächlich ankommt – schonungslos und direkt. Apps with love hat diese wirkungsvolle Methode für unsere Idee angewandt. Professionell und kompetent.»

— Monika Mingot, Content/Text & Social Media, Linkgroup AG

Die Integration von finanziell vertretbaren User Research Aktivitäten in die Offertenstellung für neue Kundenprojekte verlangte von Beginn weg Abstriche in der methodischen Vielfalt und unserem methodischen Anspruch. Dennoch gelang es uns, die Kunden vom Mehrwert von User Research zu überzeugen, so dass in den meisten neuen Projekten derartige Aktivitäten eingebunden sind. Es bleibt jedoch eine Herausforderung, individuell zu entscheiden, wo ist User Research auf hohem Niveau unverzichtbar, und wo bieten wir diesen in reduziertem Umfang an. Die Skalierung der Methoden als kleine und grosse Aktivitäten, die auf den Prozess und das Projekt angepasst werden können, ist daher ausschlaggebend und benötigt auch Übung und Erfahrung. Eine Knacknuss begegnete uns diesbezüglich bei der Integration unserer User Research Erkenntnisse in agilen Grossprojekten. Ein agiler, iterativer Entwicklungsprozess verlangt nach unmittelbaren Absprachen in den unterschiedlichen Teilprojektteams und schnellen Entscheidungsprozessen, um die Entwicklung der App basierend auf den neuesten Insights voranzutreiben. Dies kann gerade in grossen Projekten mit vielen involvierten Personen eine Herausforderung darstellen.

Weiter standen wir zeitweise in einem methodischen Spannungsfeld: Gerne bieten wir unseren Kunden greifbare visuell ansprechende Prototypen. Ein solcher Prototyp fördert das Produktverständnis und wirkt in der Interaktion mit den Usern oft als Kommunikationsmittel. Dies birgt einerseits bei den Testings die Gefahr, dass der Fokus bereits früh auf Usability-Aspekte anstatt auf die Evaluation des App-Konzepts gelegt wird. Andererseits kann es sein, dass das bestehende Konzept aufgrund der Insights grundlegend verändert wird und die gefundenen Erkenntnisse einer gemeinsamen Übersetzungsarbeit für die Weiterentwicklung des Prototyps bedürfen. Dabei ist es wichtig klar zu vermitteln, dass unsere eruierten User Bedürfnisse noch keine fixfertigen App-Lösungen mit sich bringen. Diese werden in einem nächsten Schritt gemeinsam im Team und manchmal auch mit den Kunden erarbeitet. Dieses Vorgehen setzt von allen Beteiligten Akzeptanz gegenüber dem gewählten methodischen Weg und Mut zum Ausprobieren voraus.

Unsere Erfahrungen spornen uns an, weiter in die Welt der User einzutauchen und vor allem unsere Methoden stetig weiterzuentwickeln, damit sie noch agiler und skalierbarer eingesetzt werden können. Auch macht es uns sehr viel Spass zu experimentieren und herauszufinden, welches die besten UX-Methoden für die Appentwicklung sind. So machen wir uns beispielsweise Gedanken über die zukünftige Anwendung von Methoden wie Online Communities, Diaries oder Design Sprints und sehen in Analytics Potential, auch unsere bestehenden Apps stetig dem Puls der Zeit und der User anzupassen.

Wir bleiben dran und berichten gerne wieder.

Alexandra Tanner

Alexandra Tanner, M.Sc.

User Experience Research

Was wollen die User? Warum wollen sie es? Wie wollen sie es? Sie weiss es und verbessert so unsere Produkte. Dafür müssen unsere Kunden ihr immer reichlich Pralinen schenken – sonst läuft nichts.

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